Die Masterclass

von Victor Cianni

Chief Investment Officer at Alpian

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Hast du schon von Warren Buffett gehört? Für viele ist er der grösste Investor der Welt. Das könnte gut sein – immerhin beläuft sich sein Vermögen auf 88 Milliarden Dollar.

Das Besondere an Buffett ist, dass er seinen Erfolg nicht komplizierten Anlagestrategien wie Markt-Timing oder der Suche nach Alpha verdankt. Er führt ihn vielmehr auf das Verständnis einer einfachen mathematischen Kraft zurück.

Eine Kraft, die Einstein als die mächtigste der Welt bezeichnete: den Zinseszins.

Die Analogie mit dem Samen

Lass uns über Geld und Bäume sprechen. Ja, genau, Bäume. Sie sind die perfekte Metapher für den Zinseszins.

Stell dir vor: Du hast ein Stück Land und träumst davon, in zehn Jahren einen prächtigen Apfelbaumgarten zu haben. Es gibt nur eine Beschränkung: Du beginnst mit einem einzigen Samen.

Doch dieser Samen ist etwas ganz Besonderes. Pflanzst du ihn, beschert er dir einen Apfelbaum und jedes Jahr zwei neue Samen. Das Pflanzen dieser neuen Samen führt zum gleichen Ergebnis: ein weiterer Apfelbaum und jedes Jahr zwei zusätzliche Samen. Um deinen Obstgarten bestmöglich zu erweitern, pflanzst du all diese Samen, sobald du sie erhältst.

Zwei Jahre vergehen, wie viele Samen hast du nun? Neun. Den ursprünglichen (der weiterhin jedes Jahr zwei Samen produziert), die ersten beiden und die sechs daraus resultierenden.

Wenn du diese Samen weiterhin pflanzt, hättest du aus diesem einen Samen nach zehn Jahren 59.049 Samen. Das sind mehr als genug für einen weitläufigen Obstgarten.

Genau so funktioniert auch der Zinseszins: Klein anfangen, sorgfältig reinvestieren und zusehen, wie deine ursprüngliche Investition exponentiell wächst.

Die Magie des Zinseszinses

Stell dir den ersten Samen in unserer Analogie als deine Erstinvestition vor, und das Pflanzen als den Akt des Investierens. Die Samen, die jedes Jahr spriessen? Das sind deine Erträge. Diese neuen Samen zu pflanzen, gleicht dem Reinvestieren deiner Erträge, um deine Anlage weiter zu vermehren.

Der Zinseszins ermöglicht es deiner Anfangsinvestition, Zinsen zu erwirtschaften, woraufhin dieser neue, zusammengefasste Betrag im darauffolgenden Jahr noch mehr Zinsen generiert.

Denk beim Zinseszins an einen Schneeball, der einen Hang hinunterrollt und mit jeder Drehung mehr Schnee – deine Erträge – aufsammelt. Genau dieser Schneeballeffekt verwandelt einen bescheidenen Start über die Zeit hinweg in eine finanzielle Lawine.

Wie wird der Zinseszins berechnet?

In unserem Beispiel mit dem Samen verdoppelt sich jeder gesetzte Samen jährlich. Das entspräche einer verblüffenden Zinsrate von 200% pro Jahr.

Solch hohe Renditen sind in der Realität selten, doch das Prinzip des Zinseszinses sorgt bei jeder positiven Rendite für exponentielles Wachstum über die Zeit.

Nehmen wir an, eine jährliche Rendite von 5% verdoppelt deine Investition ungefähr nach 14,2 Jahren. Die Berechnungsformel hierfür ist:

Endkapital = Anfangskapital * (1 + Zinssatz)^n, wobei n die Anzahl der Jahre ist

StartkapitalCHF 100.000
Erzielte Zinsen1%
ZinsberechnungJährlich
Betrag nach 1 JahrCHF 101.000
Betrag nach 2 JahrenCHF 102.010
Betrag nach 5 JahrenCHF 105.101,01
Betrag nach 10 JahrenCHF 110.462,21

Würde der Zinssatz in kürzeren Intervallen berechnet, etwa täglich oder monatlich, wären die Einnahmen gewiss noch höher.

Warum erhalten wir Zinseszinsen?

Im Bank- und Investitionswesen lassen sich Renditen als die Belohnung verstehen, die man für die Finanzierung der Anliegen anderer erhält – inklusive des damit verbundenen Risikos.

Renditen erscheinen hauptsächlich in zwei Formen:

  1. Zinsen: Regelmässige Zahlungen vom Kreditnehmer an den Kreditgeber.
  2. Wertzuwachs: Wenn der Wert deiner Investition im Laufe der Zeit steigt.

Oft gehen diese beiden Hand in Hand. Doch unabhängig davon ist für das Eintreten des Zinseszins-Effekts entscheidend, dass die erzielten Renditen reinvestiert werden.

Wie du auf den Zinseszins-Zug aufspringst

Investieren

Die naheliegendste Antwort lautet Investieren. Ein alltägliches Beispiel ist der Kauf von Aktien, wie etwa die von Apple. Bei Aktien resultieren Zinseszinsen aus dem Anstieg des Unternehmenswerts über die Zeit sowie aus Dividenden, sofern diese gezahlt werden.

Eine Alternative dazu sind Anleihen, die typischerweise regelmässige Zinszahlungen (Coupons) generieren, die dann reinvestiert werden können. Allerdings variieren Preise von Anleihen ebenfalls im Laufe der Zeit, was bedeutet, dass durch den Verkauf zu einem höheren Preis als dem Kaufpreis Renditen erzielt werden können.

Mit einem Bankkonto

Ein weiterer Pfad zu Zinseszins-Erträgen? Bankkonten, die Zinsen anbieten, wie etwa das von Alpian. Parke dein Geld auf dem Konto und sieh zu, wie es über die Zeit hinweg durch den Zinseszins-Effekt wächst.

Dies ist jedoch manchmal einfacher gesagt als getan. Insbesondere bei Tagesgeldkonten der Schweizer Gross- und Kantonalbanken beträgt der durchschnittliche Zinssatz kaum mehr als 0.00% – statt weitere Samen abzuwerfen bleibt der von dir gepflanzte Baum also quasi unfruchtbar. Die Wahl des richtigen Bankkontos ist für das Wachstum deines Vermögens mithilfe des Zinseszinses folglich zentral.

Deshalb haben wir eine Analyse der Zinssätze auf die Konten bei 73 in der Schweiz tätigen Banken erstellt. Die untenstehende Grafik gibt dir eine kurze Übersicht der Zinssätze im Vergleich. Schau dir am Besten auch den vollständigen Artikel dazu an: Vergleichende Analyse der Zinssätze 2024.

Comparative table of interest rates in cash accounts and savings accounts in different banks of Switzerland

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Die entscheidenden Faktoren, die den Zinseszins beeinflussen

Zeit und Geduld

Der Zinseszins zeigt seine wahre Stärke erst über lange Zeiträume.

Um seine Kraft zu verdeutlichen, vergleichen wir zwei Personen, die beide CHF 1.000 anlegen.

  • Person 1 legt CHF 1.000 zu 8% für 30 Jahre an = Ertrag von 10.000
  • Person 2 legt CHF 1.000 zu 8% für 40 Jahre an = Ertrag von 21.000

Zehn zusätzliche Jahre des Zinseszinses können die Rendite verdoppeln.

Wenn wir also kurz zu Warren Buffett zurückkehren: Obwohl Buffetts Vermögen nicht ausschliesslich auf Zinseszinsen, sondern auch auf Kapitalgewinnen basiert, ist er doch das perfekte Beispiel, um die Kraft des Zinseszinses in Aktion zu sehen. Zum Zeitpunkt unserer Betrachtung ist er 93 Jahre alt.

Er tätigte seine erste Investition mit zehn Jahren und hat seitdem kontinuierlich investiert. Das ergibt 80 Jahre Zinseszinsen… was zu folgendem Ergebnis geführt hat:

Warren Buffetts Vermögensentwicklung über die Jahre. Die Kraft des Zinseszinses.

Er erzielte 97% seines Vermögens in den letzten 27 Jahren.

Es handelt sich hierbei um keine Zauberei, sondern um das klare mathematische Prinzip des Zinseszinswachstums über Zeit.

Um das anschaulicher zu machen, haben wir eine Kurzanalyse des Dow Jones vorgenommen (ein Index, der die Performance der 30 grössten US-Unternehmen abbildet). Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine längere Anlagedauer die Wahrscheinlichkeit von Verlusten tendenziell senkt und das Risiko-Ertrags-Profil zugunsten des Anlegers verschiebt:

Infographic showing how odds change with time horizon

Chancen

Der Zinseszins ist keine Magie. Die falsche Anlageentscheidung zu treffen, könnte bedeuten, dass man keinerlei Erträge sieht (nicht einmal die längste Anlagedauer hilft, wenn das Unternehmen, in das investiert wurde, Pleite geht!). Der Schlüssel liegt darin, gründlich zu recherchieren und weise zu investieren.

In unserem Beispiel wählten wir einen diversifizierten Index aus 30 Firmen. Dies erwies sich als vorteilhaft, da die Gewinne der stark performenden Unternehmen die schwächeren Ergebnisse anderer Firmen überkompensierten (ganz zu schweigen vom Survivor Bias, der besagt, dass nur die erfolgreichsten Unternehmen langfristig im Index verbleiben). Eine ähnliche Analyse bei einem einzelnen Wertpapier anzustellen, würde zu anderen Ergebnissen führen.

Dieses Beispiel funktionierte hauptsächlich, weil die US-Wirtschaft und der Indexpreis über die Zeit gewachsen sind (mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5,3% über diesen Zeitraum). Es lässt sich jedoch argumentieren, dass es erstens lange Zeiträume geben kann, in denen dies nicht der Fall ist (wie etwa die Zeit nach der Grossen Depression) und zweitens, nicht alle Volkswirtschaften so robust wie die der USA sind.

Zinseszinsintervalle und -frequenz

Kommen wir zu einem letzten entscheidenden Punkt, der die Rückflüsse aus dem Zinseszins beeinflusst.

Der auf dein Konto angerechnete Zinseszins kann in unterschiedlichen Zeitabständen gutgeschrieben werden, was das Ergebnis beeinflusst. Beispielsweise kann dies jährlich, halbjährlich, vierteljährlich, monatlich, täglich oder sogar fortlaufend erfolgen.

Ein wichtiges Detail dabei ist: Zinsen können täglich anfallen, werden aber in der Regel seltener deinem Guthaben hinzugefügt, vielleicht monatlich. Dieser Schritt ist entscheidend, denn ab diesem Zeitpunkt beginnen Ihre Zinsen, Zinsen auf sich selbst zu erwirtschaften.

Üblicherweise musst du bis zum Jahresende warten, um deinen Zins auf dein Bankkonto zu erhalten. Nur wenige Banken in unserer vergleichenden Analyse der Zinssätze 2024 waren bereit, diese Praktik zu überdenken, eine davon ist die Bank Alpian, bei welcher du deine Zinse monatlich auf dein Konto erhältst.

Für dich als Investor ist eine häufigere Kapitalisierung von Vorteil, da sie deine Einnahmen erhöht. Kurz gesagt, je mehr Kapitalisierungsperioden vorhanden sind, desto stärker wirkt sich dies auf den Zinseszinseffekt aus.

Erhalte monatliche Zinsen

Als eine der wenigsten Banken in der Schweiz zahlt dir Alpian die Zinszahlungen auf dein Vermögen monatlich statt jährlich und ermöglicht dir damit einen verstärkten Zinseszins-Effekt!

Wie du vom Zinseszins profitieren kannst

Hier einige grundlegende Tipps, wie du den Zinseszins für dich nutzen kannst:

  • Je mehr du anlegst, desto wahrscheinlicher sind höhere Renditen – aber auch höhere Verluste.
  • Je länger Deine Anlagedauer, desto wahrscheinlicher erhältst du grössere Renditen.
  • Je regelmässiger du investierst, desto wahrscheinlicher erreichst du die oberen beiden Ziele. Wir sagen „wahrscheinlicher“, weil im Laufe der Zeit der Wert der meisten diversifizierten Anlagen tendenziell steigt. Allerdings gibt es immer das Risiko, dass ausgerechnet zum Zeitpunkt Deines geplanten Ausstiegs schwierige Marktbedingungen herrschen! Das könnte bedeuten, dass du deine Investition nicht zum gewünschten Zeitpunkt beenden kannst, oder schlimmer noch, mit einem Verlust aussteigst.
  • Ein frühzeitiger Beginn ist entscheidend, da Zeit den Zinseszins erst richtig zur Geltung bringt.

Zwei Dinge sollten jedoch noch präzisiert werden: Erstens, trifft eine Krise auf ein durch Zinseszins gewachsenes Vermögen, sind die Einbussen grösser als ohne Zinseszinsstrategie. Zweitens, die Annahme konstanter Renditen ist theoretisch, da es auf den Märkten keine konstanten Renditen gibt.

Daraus ergibt sich eine einfache Strategie:

Starte so früh wie möglich mit dem Investieren und erhöhe regelmässig deine Einlagen, natürlich immer im Rahmen deiner finanziellen Möglichkeiten.

Erfahre mehr

Der Zinseszins ist ein faszinierendes und unverzichtbares Konzept, wenn es um dein Vermögenswachstum geht. Wie du von ihm profitieren kannst, hängt nicht nur von dir, sondern auch von deiner Bank ab. Falls du mehr über Zinssätze und viele weitere Vorteile bei Alpian erfahren willst, empfehlen wir dir diesen Artikel:

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Über den Autor

Victor hat mehr als 13 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung. Im Laufe seiner Karriere hat er viele Einzelpersonen, Familien und Institutionen auf ihrem finanziellen Weg begleitet, indem er sie entweder bei ihren Investitionen beraten oder ihr Vermögen in ihrem Namen verwaltet hat. Er hatte eine Reihe von Schlüsselpositionen in den Investmentabteilungen von CA Indosuez, Lombard Odier und Citi Private Bank inne. Er hat einen Ingenieursabschluss in Bioinformatik und Modellierung vom Institut National des Sciences Appliquées in Lyon und ist ein zertifizierter FRM. In seiner Freizeit liebt Victor wissenschaftliche Lektüre und das Sammeln seltener Bücher.

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