In den Tresor einzubrechen war noch nie so schwierig. Genau deshalb versucht es kaum noch jemand.
Zuletzt verifiziert: Juli 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit hat 2025 64’733 freiwillige Meldungen bearbeitet, rund 2’000 mehr als im Vorjahr. Das Volumen stabilisiert sich. Die Raffinesse nicht.
- Der Zahlungsbetrug im Europäischen Wirtschaftsraum erreichte 2024 4,2 Milliarden Euro, ein Plus von 17 Prozent, wobei Überweisungen wertmässig die grösste Kategorie bildeten.
- Die Richtung hat sich gedreht. In einem grossen europäischen Datensatz sanken Phishing-Fälle 2025 um 8 Prozent, während Manipulationsbetrug um 33 Prozent zunahm.
- Bei Überweisungsbetrug im EWR trugen die Zahlungsdienstnutzenden rund 85 Prozent des Schadens, im Wesentlichen weil sie die Zahlung selbst autorisiert hatten.
- Die Verteidigung, die skaliert, ist keine bessere Firewall. Es ist eine Kundin oder ein Kunde, die das Muster erkennen, bevor das Geld weg ist.
Wie viel Bankbetrug gibt es in der Schweiz?
Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit hat 2025 insgesamt 64’733 freiwillige Meldungen zu Cybervorfällen bearbeitet, rund 2’000 mehr als 2024. Nach den Massstäben der letzten Jahre ist das ein moderater Anstieg, und es ist die uninteressanteste Zahl im Datensatz. Entscheidend ist die Zusammensetzung. Meldungen zu angeblichen Anrufen der Polizei dominierten weiterhin, doch die am schnellsten wachsende Kategorie war Online-Anlagebetrug, der in der zweiten Jahreshälfte deutlich zunahm.
Das NCSC verzeichnete 2025 zudem 970 Fälle von CEO-Betrug gegenüber 719 im Vorjahr, ein Plus von 35 Prozent. In seiner Halbjahresanalyse hielt es verbreitete Kampagnen mit Voice-Phishing und Echtzeit-Phishing fest, häufig kombiniert mit bezahlten Suchanzeigen, die Opfer auf überzeugende Fake-Websites lenkten. Ab Sommer 2025 tauchten in der Schweiz erstmals sogenannte SMS-Blaster auf: Geräte, die eine Mobilfunkantenne imitieren und Nachrichten direkt an Telefone in der Umgebung senden, vorbei an den Filtern der Telekommunikationsanbieter.
Nichts davon beschreibt einen Angriff auf die Infrastruktur einer Bank. Alles davon beschreibt einen Angriff auf die Person, die das Telefon in der Hand hält.
Was ist autorisierter Zahlungsbetrug?
Autorisierter Zahlungsbetrug ist eine Betrugsform, bei der das Opfer dazu gebracht wird, eigenes Geld mit den eigenen Zugangsdaten und der eigenen Zustimmung an Kriminelle zu überweisen. Es gibt kein Hacking, keine gestohlene Karte, keinen kompromittierten Login. Die Zahlung ist technisch in jeder Hinsicht echt. Erfunden ist nur ihr Anlass.
Deshalb ist dies die schädlichste Kategorie im europäischen Zahlungsverkehr geworden. Der gemeinsame Bericht von EBA und EZB beziffert den gesamten Zahlungsbetrug im Europäischen Wirtschaftsraum für 2024 auf 4,2 Milliarden Euro, 17 Prozent mehr als im Vorjahr, wobei Überweisungen wertmässig den grössten Anteil ausmachten. Die Verteilung des Schadens lohnt das zweite Hinsehen: Bei Überweisungen trugen die Zahlungsdienstnutzenden rund 85 Prozent. Wer die Zahlung autorisiert, trägt in der Regel den Verlust.
Echtzeitzahlungen verkürzen das Zeitfenster zusätzlich. Wo früher mehrere Verrechnungstage Banken und Kundschaft Zeit gaben, einen Fehler zu bemerken, überqueren Gelder heute in Sekunden Grenzen und verschwinden in einer Kette von Konten, die den Weg gezielt verwischt.
Warum verlagert sich Betrug vom Hacking zur Manipulation?
Weil sich der technische Weg nicht mehr rechnet. Die starke Kundenauthentifizierung, in der EU mit PSD2 eingeführt und in der Schweizer Praxis gespiegelt, hat die Rendite von klassischem Karten- und Zugangsdatenbetrug messbar gesenkt. Die kriminelle Ökonomie tat, was kriminelle Ökonomie tut: Sie wechselte zum günstigeren Ziel.
Die Daten zeigen die Übergabe deutlich. Ein europäischer Datensatz über 4,9 Milliarden Transaktionen verzeichnete 2025 einen Rückgang der Phishing-Fälle um 8 Prozent, während Manipulationsbetrug um 33 Prozent zunahm. Im Jahr zuvor hatte dasselbe Programm einen Anstieg der Betrugsversuche um 43 Prozent registriert, mit einem Plus von 156 Prozent bei Manipulationsbetrug und 77 Prozent bei Phishing. Zusammengelesen erzählen die beiden Jahre eine einzige Geschichte: Die technische Angriffsfläche schrumpft, die menschliche wird härter bearbeitet.
Künstliche Intelligenz steht auf beiden Seiten des Geschäfts. Sie erzeugt synthetische Stimmen, geklonte Websites und Phishing-Nachrichten, die sich nicht mehr durch schlechte Grammatik verraten. Sie treibt aber auch die Erkennungsmodelle an, die auffälliges Verhalten in Echtzeit markieren. Den Vorteil hat, wer schneller adoptiert und Daten besser teilt. Das ist ein anderer Wettbewerb als jener, auf den sich Banken vor zehn Jahren vorbereitet haben.
Sind digitale Banken stärker exponiert?
Digitale Banken sind nicht weniger sicher als traditionelle, und in mancher Hinsicht sind ihre Systeme neuer und feiner überwacht. Unterschiedlich ist die Form der Exponierung, und sie hat drei Teile.
| Druckpunkt | Warum er digitale Banken betrifft | Was er nicht bedeutet |
|---|---|---|
| Tempo | Sofortige, reibungslose Überweisungen sind das Produkt. Im Betrugsfall verkürzt dasselbe Tempo das Zeitfenster für ein Eingreifen. | Dass die Überweisungen weniger geschützt wären. Die Authentifizierungsstandards sind gleich oder höher. |
| Onboarding | Digitale Identitätsprüfungen werden laufend mit veränderten Dokumenten und synthetischer Biometrie getestet, oft um Mulekonten zu eröffnen statt direkt zu stehlen. | Dass digitales Onboarding grundsätzlich schwächer wäre. Es ist schlicht die Tür, an der am häufigsten gerüttelt wird. |
| Mobile Selbstverständlichkeit | Kundinnen und Kunden handeln unbefangen auf eine Push-Nachricht hin, und genau diesen Kanal bevorzugen Impersonationsangriffe heute. | Dass Mobile Banking unsicher wäre. Die Schwachstelle ist die Nachricht, nicht die App. |
Der Schluss lautet nicht, dass ein Bankmodell sicherer ist als das andere. Er lautet, dass sich in jedem Modell die entscheidende Schicht nach aussen verschoben hat, von den Systemen des Instituts zum Urteilsvermögen der Kundschaft. Schweizer Banken, darunter FINMA-lizenzierte digitale Institute wie Alpian, investieren laufend in Authentifizierung und Transaktionsüberwachung. Ist die Täuschung abgeschlossen, bevor die App überhaupt geöffnet wird, kommen diese Systeme zu spät.
Was tut der Schweizer Finanzplatz dagegen?
Die Schweizer Antwort ist bewusst kollektiv statt institutionell. Die Vorstudie der Schweizerischen Bankiervereinigung zur kollaborativen Betrugsbekämpfung, erarbeitet mit Banken wie UBS, PostFinance, Raiffeisen, Julius Bär, Migros Bank, BCV, ZKB, Entris Banking und SIX, empfiehlt drei Massnahmen: gemeinsame Sensibilisierungskampagnen, einen Risk-Scoring-Dienst auf Netzwerkebene und einen strukturierten branchenübergreifenden Austausch.
Alle drei sind in Bewegung. Die Präventionsarbeit läuft unter einer gemeinsamen Marke statt in einem Dutzend konkurrierender Bankkampagnen. Das Risk-Scoring-Konzept würde einer sendenden Bank ein Echtzeitsignal zur Empfängerseite einer Zahlung liefern, berechnet über das Netzwerk statt innerhalb eines einzelnen Instituts. Und Mitte 2026 brachte der Swiss Anti-Fraud Summit, einberufen von der Bankiervereinigung und SIX, eine Kollaborationsplattform hervor, die Banken, Telekommunikationsanbieter, Online-Marktplätze, Plattformen und Strafverfolgung entlang der gesamten Betrugskette verbinden soll.
Dahinter steht eine einfache Logik: Betrug beginnt nicht in einer Bank. Er beginnt meist auf einer sozialen Plattform, in einem Marktplatzinserat oder in einem Telefonat und erreicht das Zahlungssystem erst ganz am Schluss. Eine Verteidigung, die beim Zahlungssystem beginnt, beginnt zu spät.
Warum nicht einfach mehr Zahlungen blockieren?
Weil die Kosten von Fehlalarmen real sind und die rechtmässige Kundschaft treffen. Pauschale Sperren würden einen Teil der betrügerischen Zahlungen stoppen und einen weit grösseren Teil der gewöhnlichen: die Miete, die Rechnung, die Kaution für eine Wohnung, das Geld an Angehörige. Betrugsprävention muss drei Dinge gleichzeitig halten, nämlich Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Verhältnismässigkeit. Ein System, das am dritten Punkt scheitert, verliert genau das Vertrauen, das es schützen soll.
Das ist die ehrliche Version des Zielkonflikts, und deshalb kehrt die Branche immer wieder zur Information statt zur Restriktion zurück. Wer einen Manipulationsversuch im Moment des Geschehens erkennt, kostet nichts, blockiert nichts Rechtmässiges und ist die einzige Kontrolle, die wirkt, bevor die Zahlung überhaupt existiert.
So prüfen Sie, ob ein Kontakt wirklich von Ihrer Bank kam
Alpian veröffentlicht die unter seinem Namen kursierenden Domains, die Warnzeichen und die Meldestelle.
Zur Sicherheitsseite von AlpianHäufige Fragen
Wie verbreitet ist Bankbetrug in der Schweiz?
Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit hat 2025 insgesamt 64’733 freiwillige Meldungen zu Cybervorfällen bearbeitet, rund 2’000 mehr als 2024. Betrug gehört durchgehend zu den am häufigsten gemeldeten Kategorien. Online-Anlagebetrug nahm in der zweiten Jahreshälfte deutlich zu, CEO-Betrug stieg um 35 Prozent auf 970 gemeldete Fälle.
Welche Betrugsart ist heute am häufigsten?
Social Engineering, bei dem die kontoführende Person selbst zur Autorisierung einer Zahlung gebracht wird. In einem grossen europäischen Datensatz stiegen Manipulationsfälle 2025 um 33 Prozent, während Phishing-Fälle um 8 Prozent zurückgingen. Im EWR trugen Nutzende rund 85 Prozent des Überweisungsschadens, gerade weil sie die Überweisung selbst freigegeben hatten.
Sind digitale Banken in der Schweiz sicher?
Schweizer Digitalbanken unterstehen derselben FINMA-Lizenzierung und denselben Authentifizierungsanforderungen wie traditionelle Banken, und ihre Einlagen sind im Rahmen der Schweizer Einlagensicherung bis CHF 100’000 pro Kundin oder Kunde geschützt. Unterschiedlich sind Tempo und mobile Kommunikation, was beeinflusst, wie Betrug die Kundschaft erreicht, nicht wie gut die Bank reguliert ist.
Lässt sich Geld aus einer autorisierten Überweisung zurückholen?
Oft nicht. Weil die Zahlung mit gültigen Zugangsdaten freigegeben wurde, ist sie technisch eine legitime Transaktion, und Echtzeitzahlungen bewegen Gelder in Sekunden über Grenzen. Die Rückholung hängt davon ab, wie schnell das empfangende Institut erreicht wird. Prävention ist deutlich verlässlicher als Rückholung.
An wen wende ich mich bei einem Betrug im Namen einer Schweizer Bank?
Kontaktieren Sie die Bank direkt über einen Kanal, den Sie selbst verifiziert haben, nie über eine Nummer oder einen Link aus der Kontaktaufnahme. Die FINMA führt eine Warnliste nicht bewilligter Anbieter, und das Nationale Zentrum für Cybersicherheit nimmt Meldungen aus der Bevölkerung entgegen. Alpian bittet um Weiterleitung verdächtiger Kontakte an fraud-report@alpian.com.
Sicherheit im Schweizer Banking ist kein Zustand, und die Branche formuliert ihr Ziel selbst nicht als Beseitigung des Betrugs, sondern als Anspruch, schneller und besser vernetzt zu sein als die Netzwerke auf der Gegenseite. Die Infrastruktur hält. Einlagen bei FINMA-lizenzierten Schweizer Banken, darunter digitale Institute mit Rückhalt von Gruppen wie Intesa Sanpaolo, liegen in einem beaufsichtigten und versicherten Rahmen. Die Variable ist nicht mehr der Tresor. Es ist das Gespräch kurz bevor jemand entscheidet, ihn zu öffnen.
Quellen
- Nationales Zentrum für Cybersicherheit NCSC, Jahresbericht 2025
- Europäische Bankenaufsichtsbehörde und Europäische Zentralbank, gemeinsamer Bericht zum Zahlungsbetrug
- Schweizerische Bankiervereinigung, kollaborative Betrugsbekämpfung und Swiss Anti-Fraud Summit
- FINMA-Warnliste nicht bewilligter Anbieter

